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Author's note:
What happens when a Transformers fan watches Gargoyles two times a day for about four weeks? A Transformer/Gargoyles x-over...


Eine steinige Reise

by Magic

Prolog

Autobot Hauptquartier, Montag Morgen:
Die Anzeige auf den Monitoren blinkten wie wild.
"Faszinierend", murmelte Perceptor und veränderte einige Einstellungen.
Noch immer blinkten die Anzeigen. Allein die Farbkombinationen hatten sich schwer zu ihrem Nachteil verändert. Den Autobotwissenschaftler schien das jedoch zu begeistern.
"Wirklich unglaublich", meinte er.
"Unglaublich scheußlich", kommentierte Bumblebee lapidar. "Kriegst du von diesem Geflimmere nicht einen Kurzschluß in den optischen Systemen. Bei mir ist es knapp davor."
"Das 'Geflimmere' zeigt Ausrichtung und Stärke der Feldvektoren im Bereich des  Pendragon-Paradoxons. Die Raum-Zeit-Anomalie hat sich während der letzten zwei Tage intensiviert", erklärte Perceptor in noch relativ verständlichen Worten.
Er gab einige neue Daten ein, verglich sie mit vorhandenen, ließ irgendwas berechnen und fuhr fort:
"Offensichtlich findet dieses Phänomen seine Ursache im wiederholten Öffnen eines Raumtores während der momentan herrschenden Erde-PP-Cybertron Konjunktion. Jedes weitere Öffnen eines solchen Tores zum momentanen Zeitpunkt könnte die instabile Raumstruktur kollabieren lassen, und es könnte zu einer Art Sliding-Effekt kommen."
Bumblebee seufzte.
"Und was soll das jetzt bedeuten?" wollte er wissen.
"Das heißt, du solltest die Space-Bridge nicht benutzen solange das Pendragon-Paradoxon zwischen Erde und Cybertron steht. Sonst landest du plötzlich im Restaurant am Ende des Universums und hattest keinen Tisch bestellt", antwortete Black Jester.
Eigentlich war er gekommen, um die Einladung zur "Geburtstags"-Überraschungsparty von Crazy Sue zu überbringen und wieder zu gehen. Aber Perceptors 'Farbenzauber' hat den schwarzen Transformer dann doch irgendwie interessiert.
"Ich hoffe, das Restaurant hat noch einen freien Tisch, auch wenn er nicht vorbestellt wurde", sagte Perceptor plötzlich. "Wir hatten möglicherweise gerade einen Slide..."
BJ sah ihn verblüfft an.
"Wie bitte?"
"Jemand hat die Space-Bridge aktiviert und die Struktur ist kollabiert. Es gab mit 93,54 %iger Wahrscheinlichkeit einen Durchbruch..."
Black Jester mußte sich festhalten. Seine Innere Stimme schlug Alarm. Er hatte einen fürchterlichen Verdacht.
"Vector Sigma, nicht jetzt", stöhnte er. "Oh, heiliger Ausstoß..."
 


Kapitel 1

Als sie die Augen aufschlug, sah sie den strahlend blauen Himmel über sich. Sie bemerkte noch das Stahlskelett eines im Bau befindlichen Hochhauses zu ihrer Linken, als sie zu fallen begann. Vor lauter Verblüffung kam sie nicht mehr dazu zu schreien.
"Scheiße!" war das letzte, was sie dachte, bevor sie einschlug.
Dann war alles dunkel.

Er erwachte.
Um ihn herum war Finsternis, und er konnte sich nicht bewegen. Das lag wohl an der festen Hülle, die ihn umgab. Es fühlte sich an wie Stein. Er war in Fels eingeschlossen. Aber seltsam, diese Tatsache beunruhigte ihn nicht.
Obwohl er nichts sehen konnte, wußte er, daß die Sonne untergegangen war. Er hatte das Bedürfnis, sich zu bewegen. Es war wie eine Art Instinkt. Er spannte seinen Körper und machte eine ruckartige Bewegung. Mit explosionsartigem Geräusch zerbarst die steinerne Puppenhaut um ihn. Er hörte sich brüllen  wie ein wildes Tier. Und er hörte noch weitere Stimmen, die ebenfalls brüllten.
Jetzt konnte er endlich wieder sehen. Er saß auf den Zinnen einer Burg, und diese Burg stand auf der Spitze eines riesigen Wolkenkratzers. Zu seinen Füßen - teilweise unter ein paar Wolkenfetzen verborgen - lag im letzten Licht der Abenddämmerung die Stadt New York, genauer gesagt: Manhatten.
"Die Frage nach dem 'Wo bin ich?' entfällt somit", dachte er gerade bei sich, als er hinter sich jemand fragen hörte:
"Wer bist du, Freund?"
Er drehte sich um und sah sich mit einer Gruppe seltsam anmutender Wesen konfrontiert. Ihre Gestalten erinnerten an mittelalterliche Dämonendarstellungen, gehörnte Humanoide mit Tierfüßen, Schwänzen und ledrigen Flügeln. Sie trugen die spärliche Kleidung von altertümlichen Babarenkriegern. Ein eigenartiger Geruch von Leder und Zement lag in der Luft - nicht unbedingt unangenehm, nur ungewohnt.
"Feuerelfen nicht", dachte er. "Vielleicht Steinvolk..." Irgendwie kamen sie ihm bekannt vor...
"Wer bist du?" fragte ein großer, blauhäutiger Vertreter der Gruppe.
So, wie dieser auftrat, und so, wie sich der Rest der Gruppe verhielt, war das der Anführer.
Er sprang von seinem Sitzplatz. Mit einem Mal wurde ihm bewußt, daß er dazu Muskeln benutzt hatte. Er sah auf seine Hände - kräftige, vierfingrige Klauen, überzogen von dicker, hellgrauer Haut wie sie auch den Rest seines Körpers bedeckte. Nach einen Blick über seine Schulter, stellte er fest, daß sein Rücken ebenfalls mächtige Dämonenflügel zierten.
Eine bullige, hundeartige Kreatur schnupperte mißtrauisch an seiner Ferse.
Er wandte sich an den Anführer der Gruppe:
"Bevor ich euch eure Frage beantworte, würde mich eine andere Antwort weit mehr interessieren: Was bin ich?"
"Was..?" wiederholte das kleinste der Wesen und blickte ihn fragend aus großen, runden Augen an. "Na, du bist ein Gargoyle!"
 


Kapitel 2

"Sie kommt zu sich", sagte jemand.
"Ist ein Wunder, daß sie überhaupt noch lebt", sagte jemand anderes.
Dieser Geruch nach Desinfektionsmittel. Sie schlug die Augen auf und sah direkt in das bläßliche Gesicht einer Frau in weißem Kittel. Ein Stethoskop steckte in der linken Brusttasche.
Warum sahen Ärzte oft kranker aus als ihre Patienten?
"Wo bin ich?" murmelte sie mühsam. Ihre Zunge wollte noch nicht so, wie sie es wollte.
"Im Krankenhaus", antwortete die Ärztin.
Es war eine dumme Frage gewesen. Das typische "Hospitalaroma" hing ihr schon die ganze Zeit in der Nase. Wahrscheinlich war es eine Art Instinkthandlung, immer erst zu fragen, wo man war.
"Okay", begann sie von neuem. Ihre Zunge reagierte mittlerweile besser. "Was mache ich hier? Außer im Bett liegen natürlich..."
"Sie hatten einen Unfall", antwortete die Ärztin.
Sie setzte sich in ihrem Bett auf. In der Tat, sie konnte alle ihre Knochen spüren.
"Einen Unfall?" fragte sie. "Hoffentlich hat sich jemand die Nummer des Trucks notiert..."
"Sie sind vom Gerüst eines im Bau befindlichen Wolkenkratzers gefallen", antwortete eine zweite Stimme, eine junge Frau mit mexikanischem oder leicht afrikanischem Einschlag - dunkler Teint, lange, schwarze Haare, braune Augen. "Fünf Stockwerke tief."
Die Ärztin nickte.
"Wie durch ein Wunder hatten Sie nur ein paar blaue Flecke und diverse Abschürfungen."
"Glück ist ein Rindvieh und sucht seinesgleichen", antwortete sie ironisch.
Die schwarzhaarige Frau zeigte eine Polizeimarke.
"Elisa Maza vom Dreiundzwanzigsten", erklärte sie. "Könnten Sie mir vielleicht sagen, was passiert ist? Wurden Sie gestoßen, oder war das eine neue Form von Frühsport, auf Baugerüsten herumzuklettern?"
Sie kratzte sich am Kopf und überlegte. Ein Hochhaus..? Gestürzt..? Nichts... Sie hatte keine Ahnung wovon die Polizistin redete.
"Officer, ich würde Ihnen ja gerne weiterhelfen", antwortete sie schulterzuckend. "Aber ich kann mich an nichts mehr erinnern."
"Gut", seufzte Elisa. "Versuchen wir erst mal was anderes. Sie hatten weder Ausweis, noch Führerschein oder Kreditkarten bei sich. Es würde uns unter Umständen schon weiterhelfen Ihren Namen zu erfahren."
Sie schluckte und wurde bleich. Jetzt kam langsam so etwas wie Panik in ihr hoch.
"Meinen Namen?" stotterte sie. Sie fühlte sich wie in einer mündlichen Prüfung, ohne gelernt zu haben.
"Ja, Ihren Namen", nickte Elisa seufzend. "Das, womit man Sie anzusprechen pflegt..."
Sie atmete tief durch und blickte die Polizistin in Zivil hilflos an.
"Ich würde ihn Ihnen gerne sagen", antwortete sie. "Wenn ich ihn noch wüßte..."
Sie fuhr sich durch die Haare.
"Genaugenommen beginnt mein Leben damit, daß ich hier aufgewacht bin", fuhr sie fort.
"Eine vorübergehende Amnesie", stellte die Ärztin fest. "Nachdem, was passiert ist, durchaus nicht ungewöhnlich."
"Na toll", stöhnte Elisa. "Dann werden wir Sie bis auf weiteres wohl 'Jane' nennen."
"Moment", meinte sie da plötzlich. "Ich trage einen Ring, vielleicht bin    Þich ja verheiratet."
Sie zog sich das goldene Schmuckstück vom Finger und betrachtete die Innenseite.
"Auf die Idee sind wir auch schon gekommen", meinte Elisa.
"'Beltaine, Muris'?" las sie. "Klingt irgendwie nicht so ganz nach einem Namen. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern." Sie überlegte. "Moment... Beltaine... Beltaine... Das ist der 1. Mai. Es ist ein Datum! Na wenigstens erinnere ich mich an etwas..."
"Dann könnte 'Muris' doch Ihr Name sein", meinte die Ärztin.
"Na fein, 'Jane Muris' ist nicht ganz so langweilig wie 'Jane Doe'", fand Elisa.
Jane wandte sich an die Ärztin.
"Wie lange muß ich noch hier bleiben?" fragte sie.
"Die Untersuchungen ergaben keine weiteren Gebrechen außer den blauen Flecken und... ihrer offensichtlichen Amnesie", antwortete die Medizinerin mit Blick auf die Krankenkarte. "Eigentlich steht Ihrer Entlassung neben Ihrer schriftlichen Einwilligung nichts im Wege."
"Das einzige Problem, ich weiß nicht wohin..."
"Kopf hoch, Jane", meinte Elisa. "Wir werden Ihnen bis auf weiteres ein Zimmer in einem Hotel beschaffen. Entweder finden wir heraus, wer Sie sind, oder Sie erinnern sich ja."
"Danke, Officer Maza."
"Nennen sie mich 'Elisa'."

Eine halbe Stunde später traf man sich am Eingang des "Manhattan General". Es war ein warmer, nicht zu heißer Sommernachmittag. Die Sonne spiegelte sich noch immer glänzend in den Fenstern der Wolkenkratzer, während die Straßenschluchten bereits im Schatten lagen.
"Ist schon ein komisches Gefühl, sein Leben vergessen zu haben", meinte Jane leicht deprimiert. "Ich komme mir vor wie ein Baby."
"Hätte schlimmer kommen können", entgegnete Elisa. "Sie könnten jetzt im Leichenschauhaus liegen. Kommen Sie, mein Wagen steht gleich um die Ecke."
Die beiden Frauen liefen die fast menschenleere Straße entlang. Elisa schien im Gedanken.
"Muß ja ein toller Bursche sein", meinte Jane mit koboldhaftem Lächeln.
Die Polizistin wurde leicht rot.
"Wie bitte..?" stotterte sie.
"Ihr Blick spricht Bände."
Jetzt lachte Elisa.
"Sie haben einen verdammt guten Spürsinn, Jane", sagte sie. "Kann es sein, daß Sie auch ein Cop sind?"
Jane zuckte mit den Achseln.
"Wenn ich's doch nur wüßte..." Sie horchte auf. "Apropos Spürsinn, haben Sie das gehört?"
"Was?" fragte Elisa und strengte ihre Ohren an.
Jane hatte recht. Da rief jemand um Hilfe - zumindest versuchte derjenige es.
"Sie warten hier!" befahl die Polizistin im Loslaufen.

Die kleine Seitenstraße führte direkt zu einem der Notausgänge des Krankenhauses. Es war eine Sackgasse, die an einer Mauer endete.
Drei Gestalten in dunklen Cyberrüstungen versuchten gerade ein Frau in weißem Kittel in einen bereitstehenden Van zu zerren. Man konnte nicht sehen, wer die Personen in den Rüstungen waren, sie trugen Kapuzen, die bis auf zwei Augenlöcher das Gesicht verdeckten.
"Stehen bleiben, Polizei!" schrie Elisa mit vorgehaltener Waffe. "Und lassen Sie sofort Ihre Finger von der Lady!"
"Glaubst du, du kannst uns aufhalten?" antwortete einer der Kapuzenträger, der Stimme nach ein Mann. "Schau mal hinter dich!"
Elisa schluckte. Sie bemerkte den Schatten einer weiteren Kapuzengestalt hinter sich. Sie fuhr herum. Die maskierte Person hatte einen riesigen Hammer in den Händen und bereits zum Schlag ausgeholt, als sie unerwartet mit einem kurzen Aufstöhnen in sich zusammensackte. Der Hammer purzelte unbenutzt auf den Asphalt.
"Jane", rief Elisa überrascht, als sie erkannte, wer den Angreifer schachmatt gesetzt hatte. "Sie sollten doch auf mich warten!"
"Ich hatte das Gefühl, Sie könnten Hilfe gebrauchen", antwortete die Frau. "Nanu, ich dachte der Ku-Klux-Klan trägt Weiß?"
Ein Geräusch war zu hören, daß sehr stark an das Durchladen eines Pumpguns erinnerte.
"Das ist nicht der Ku-Klux-Klan, das sind Steinhauer", antwortete Elisa, während sich die beiden Frauen hinter einem Müllcontainer in Deckung warfen. In nächsten Moment schlug auch schon etwas neben ihnen in der Wand ein. Es waren keine Schrotkugeln, und es riß gewaltige Löcher.
"Wo ist der Unterschied?" fragte Jane, während sie sich nach einer brauchbaren Waffe umsah.
"Sie haben es nicht auf Schwarze, sondern auf Gargoyles abgesehen", antwortete die Polizistin. "Ansonsten haben sie das gleiche Konzept..."
"Die fürchten sich vor Wasserspeiern?" fragte 'Jane' verdutzt.
"Keine steinernen Wasserspeier. Echte, lebende Gargoylen." Elisa versuchte die Steinhauer zu treffen, ohne dabei das Leben der Geisel in Gefahr zu bringen.
"Ich muß ja höllisch viel vergessen haben..." murmelte Jane und visierte den verwaisten Hammer in der Straßenmitte an. Plötzlich machte sie einen Hechtsprung, packte, während sie über die Schulter abrollte, die Waffe und verschwand wieder hinter einem Müllcontainer. Diesmal auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Um sie herum hagelte es Einschüsse. Diesmal hatte sie gemerkt, woher die kamen. Die übrigen Steinhauer hatte ebenfalls Hämmer. Aus diesen feuerten sie irgendwelche Energiegeschosse ab. Das Pumpgun ähnliche Geräusch entstand, wenn die Waffen aktiviert wurden.
"Okay, Jungs, ihr habt was gegen Gargoyles, das habe ich jetzt kapiert", begann Jane. "Wenn ich auch noch nicht kapiert habe was..."
"Sie sind eine Bedrohung für unsere Stadt", kam es da wie aufs Stichwort aus Richtung des Vans. "Es sind wilde, gefährliche, seelenlose Bestien, die Nachts unsere Stadt terrorisieren, wenn aufrechte New Yorker schlafen! Sie müssen vernichtet werden!"
Wieder schlug es in die Wand neben ihr ein. Jane seufzte.
"Sprech' ich chinesisch oder habt ihr Tomaten auf den Ohren?" rief sie laut. "Ich wollte keine Beschreibung eurer Organisation. Ich wollte nur wissen, was ihr gegen Gargoyles habt..."
Sie gab Elisa, die es aus ihrer Position heraus nicht sehen konnte, ein Zeichen, daß die Steinhauer ihre Geisel in den Transporter geschafft hatten und bereit waren zu verschwinden. Die Polizistin war sich mittlerweile über eines im klaren, so, wie sie agierte, war 'Jane Muris' mit solchen Gefahrensituationen durchaus vertraut und wußte damit umzugehen. Sie könnte wirklich ein Cop sein...
Jetzt ging es um die Sicherheit der Geisel!
Der Motor des Fahrzeugs heulte dank eines zu schnellen Starts leicht gequält.
"Oh, nein, nicht so schnell!" dachte Elisa.
Sie sprang auf die Fahrbahn und versuchte, die Reifen des anfahrenden Fahrzeugs zu treffen, um es zu stoppen. Doch bedauerlicherweise verfehlte sie.
"Mist!" Der Van kam direkt auf sie zu.
Plötzlich stand Jane neben ihr. Sie hatte den Hammer aktiviert, der Kopf der Waffe glühte in grellem Weiß.
Die ganze Szene, die jetzt folgte, schien vor Elisas Augen in Zeitlupentempo abzulaufen:
Jane richtete den Hammer auf das näherkommende Auto. Das Glühen wurde noch intensiver, sogar der Stil leuchtete jetzt. Mit krachendem Donnerschlag löste sich ein Energieblitz und schlug frontal in das Fahrzeug ein. Für Bruchteile einer Sekunde - lang wie eine Ewigkeit - war der Van in gleißendes Licht gehüllt, dann verglühte er lautlos. Die Steinhauer samt ihrer Geisel fanden sich völlig verblüfft auf der Straße sitzend wieder.
Elisa und Jane sahen sich an.
"War ich das?" fragte letztere schluckend.
"Ich glaube schon", antwortete Elisa und machte sich daran, die verstörten Steinhauer mit Handschellen zu versorgen. Sie würde zu einem anderen Zeitpunkt darüber nachdenken, was passiert sein könnte.

Einige Minuten später, während ein Polizeitransporter die Festgenommenen abtransportierte, wollte Elisa von der beinahe gekidnappten Ärztin wissen:
"Was wollten die Kerle überhaupt von Ihnen?"
"Sie sagten, daß man mir den Prozeß machen würde, weil ich ein Sympathisant des Feindes sei", antwortete die Frau noch ziemlich durcheinander.
Die Polizistin erinnerte sich:
"Sie sind die Augenärztin, die Hudsons Auge gerettet hat."
Die Angesprochene nickte.
Etwas abseits stand Jane und betrachtete den Hammer, den sie in den Händen hielt. Sie hatte ihn deaktiviert, doch er glühte noch immer leicht. Das war bestimmt nicht beabsichtigt... Außerdem war das Steinhaueremblem während des Schusses verglüht, statt dessen zeigte der Stiel ein Muster aus Strichen, die eine Linie überschnitten.
Eine ähnliche Zeichnung zeigte die Außenseite ihres Ringes.
 
 

Kapitel 3

Er beobachtete den braunhaarigen Mann, der am Kamin stand.
David Xanatos war ein ausgezeichneter Stratege mit dem notwendigen Weitblick. Jemand, der die Menschen kannte und sie zu leiten wußte. Außerdem verfügte er über ausreichende finanzielle Mittel sowie das nötige technische Knowhow. Seine Frau Fuchs, die er noch nicht kennengelernt hatte, würde ihm, laut Aussage der, der sie kannten, allerdings in nichts nachstehen. Goliath und sein Clan wären ohne diese starken Verbündeten definitiv verloren.
Gargoyles sind zähe, starke Krieger, aber während ihrer Versteinerungsphase völlig schutzlos. Einfache Menschen neigen dazu, das Fremdartige zu fürchten, zu hassen und zu vernichten. Und der Haß wurde offensichtlich von diversen Stellen geschürt. Goliath zwar etwas naiv, aber nicht dumm. Er tat gut daran, eine 'das Schwert in der Scheide zu lassen' und dem Feuer, das seine Gegner entzündet hatten, nicht noch zusätzliches Brennmaterial zu geben. Die Gargoyles könnten einen Kampf gegen die zahlenmäßig überlegene Menschheit nie gewinnen. Ihre einzige Überlebenschance war, noch mehr Menschen als Verbündete zu gewinnen.
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen als ein blonder, schlanker Mann das Zimmer betrat.
"Owen Bernett, mein persönlicher Berater", stellte Xanatos ihn vor. "Nun, Owen, haben Sie Neuigkeiten?"
"In der Tat, Mr. Xanatos", antwortete der Angesprochene, sich mit stoischer Gelassenheit die Brille zurechtschiebend. Doch dann viel sein Blick in seine Richtung und Bernett stutzte für einen Moment. Der Blick des blonden Mannes zeigte für einen kurzen Moment leichtes Mißtrauen.
"Das ist also Tarn, der Gargoyle, der aus dem Nichts auftauchte", stellte er fest.
"Ja, ich bin Tarn, Mr. Bernett", antwortete er und kam näher. "Sie scheinen deswegen beunruhigt zu sein."
Plötzlich entspannte sich Owen wieder. Er bekam seine Gelassenheit zurück.
"Entschuldigen Sie bitte mein seltsames Verhalten, Tarn", erklärte er. "Sie erinnerten mich an jemanden, den ich kenne."
"Und den Sie wohl etwas fürchten", stellte Tarn mit leichter Genugtuung fest.
"Das muß ich zugeben."
David Xanatos setzte sich an seinen Schreibtisch und legte die Fingerspitzen aneinander.
"Könnten wir jetzt erfahren, was Sie herausbekommen haben?" fragte er noch einmal.
"Natürlich, Mr. Xanatos", antwortete der Assistent ruhig. Er betätigte einen Knopf an der Fernbedienung, die er aus dem Regal genommen hatte. Eine der Wandverkleidungen glitt lautlos beiseite, eine dahinter befindliche Monitorwand schaltete sich ein.
"Dies ist ein Bild unseres Sonnensystems", erklärte Bernett die erscheinende Graphik. "Die Planeten befinden sich momentan in einer Konstellation, in der die Grenzen zwischen den Welten durchlässig werden. Und ich meine nicht nur die zwischen der realen Welt und dem Elfenreich..." Er wies mit dem Laserpointer auf einen Punkt im Ring der Planetoiden. "Laut den Aussagen verschiedener angesehener Astrophysiker ist an dieser Stelle eine Raum-Zeit-Anomalie aufgetreten, die man als Ausgang eines Dimensionslochs sehen könnte."
"Und was soll das jetzt heißen?" fragte der füllige Gargoyle, den sie Broadway nannten.
"Er meint, daß Tarn möglicherweise aus einem Paralleluniversum stammt", antwortete der kleine, braungrüne Lexington.
"Irre!" staunte Brooklyn.
"Wpfff", machte Bronx gelangweilt, außerdem hatte er Hunger.
Tarn rieb sich am Kinn. Die Theorie würde erklären, warum sie noch nie zuvor von einer realen Existenz von Gargoyles gehört hatten. War er wirklich in einem anderen Universum, oder erlaubte sich jemand einen schlechten Scherz mit ihm? Es gab jemand, der ihm auf jeden Fall eine Antwort hätte geben können...
"Warum zeigt das Bild neun Planeten?" fragte er ganz beiläufig.
"Weil unser Sonnensystem neun Planeten hat", antwortete Xanatos. "Wie viele sollten es denn deiner Meinung nach sein?"
"Sieben", log Tarn und kniff nachdenklich die Augen zusammen. Wenn dies wirklich ein anderes Universum war, dann war entweder der zehnte noch nicht bekannt, oder es gab ihn hier tatsächlich nicht...
Aber er benötigte Beweise, und vor allem mußte er sie finden.
"Und du weißt wirklich nicht mehr, woher du kommst, und wie du hierher gekommen bist, mein Junge?" wollte der alte Hudson wissen.
Tarn schüttelte den Kopf.
"Mein Name ist alles, woran ich mich erinnere." Das war wieder eine Lüge. Er wußte nicht, ob und wie weit er den anderen vertrauen konnte.
"Wißt ihr was, Freunde, am besten ihr zeigt Tarn die Burg, vielleicht findet sich ja in der Bibliothek etwas, was ihm hilft, sich zu erinnern", schlug Xanatos vor. "Owen und ich versuchen derweil, noch andere Quellen anzuzapfen. Wenn Tarn aus einer Parallelwelt stammt, gibt es vielleicht einen Grund, warum er hier ist..."

Die Gargoyles hatten das Büro gerade verlassen, als Xanatos feststellte:
"Tarn weiß mehr als er uns sagt. Was hat die DNA-Analyse ergeben, Owen. Ist er überhaupt ein Gargoyle?"
"Definitiv ja", antwortete sein Assistent. "Aber mir ist auch aufgefallen, daß er nicht die ursprünglich, barbarische Ausstrahlung der anderen hat."
Xanatos nickte.
"Goliath wirkt neben Tarn wie ein Keltenhäuptling neben einem römischen Feldherrn. Aber, mein lieber Owen,... " Er blickte den anderen mit einem leichten Grinsen an. "...jetzt würde mich doch sehr interessieren, was Sie Tarns Anblick so erschreckt hatte?"
Der angesprochene rückte seine Brille zurecht, ohne jedoch seine fast emotionslose Gelassenheit zu verlieren.
"Nun, Mr. Xanatos, Tarn hat im Aussehen zugegebenermaßen eine Gewisse Ähnlichkeit mit Oberon", antwortete er. "Aber ich kann Ihnen versichern, daß er es nicht ist. Es ist auch keiner aus seinem Hofstaat. Er hat keine... Elfenaugen."
Die Hausrufanlage unterbrach ihr Gespräch.
"Officer Elisa Maza, Mr. Xanatos", meldete der Portier.
"Soll in die Bibliothek kommen."

Tarn bemerkte das glückliche Funkeln in Goliaths Augen, als die Polizistin den mit alten Büchern gefüllten Raum betrat.
"Hallo, Elisa!" riefen mehrere der Anwesenden wie aus einem Munde.
"Hallo, Freunde", grüßte die junge Frau zurück, während sie dem doch leicht verblüfften Bernett den seltsam leuchtenden Hammer und eine Liste in die Hand drückte.
"Mit dem Ding stimmt irgend etwas nicht, und ich glaube nicht, daß das Kriminallabor uns da weiter helfen kann", erklärte sie dem blonden Mann. "Und die Begriffe auf dem Zettel hab' ich schon ohne Ergebnis durch den Polizeicomputer gejagt. Vielleicht haben Sie ja mehr Glück."
Xanatos nickte seinem Assistenten zu.
"Kümmern Sie sich drum, Owen", sagte er, worauf der Angesprochene mit Hammer und Zettel verschwand.
Jetzt mußte Elisa erst einmal ihren Goliath umarmen, was dieser liebend gern erwiderte.
"Wie war dein Tag", fragte der Gargoyle sanft.
"Die Schicht fing bereits gut an", antwortete die Polizistin. "Eine 'Jane Doe' und 'ne versuchte Entführung durch unsere Steinhauerfreunde."
"Eine Entführung?" fragte Angelica, Goliaths Tochter, der einzige weibliche Gargoyle auf der Burg.
"Wir, daß heißt besagte 'Jane' und ich, konnten gerade noch verhindern, daß sie die Augenärztin abschleppten, die Hudsons Auge behandelt hatte", antwortete Elisa.
Der alte Haudegen Hudson knurrte:
"Diese dreckigen Hunde! Ich hoffe, ihr habt es ihnen gründlich gezeigt!"
"Sie sitzen in Untersuchungshaft und warten auf ihren Prozeß. Nanu, wer ist denn das?" Ihr Blick fiel auf das fremde Gesicht, daß etwas abseits die Geschehnisse beobachtete.
"Das ist Tarn", stellte Brooklyn den fremden Gargoyle vor. "Er ist heute auf bei uns auf der Burg aufgewacht."
"Er kann sich nicht erinnern, woher er kommt und was geschehen ist", fügte Lexington ergänzend hinzu.
Elisa stemmte die Hände in die Hüften.
"Das mit der Amnesie scheint ja um sich zu greifen. Hoffentlich ist das kein Virus", meinte sie lakonisch.
"Wie meinst du das, Elisa?" wollte Angelica wissen.
"Na, meine 'Jane Doe'", begann die Polizistin. Man hat sie heute Morgen ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem sie einen Fünf-Stockwerke-Sturz von einem Baugerüst gemacht hatte. Das Mädel hatte mehr Glück als Verstand: sie hatte nur ein paar kleinere Kratzer und... 'ne Amnesie halt. Jetzt versuchen wir rauszufinden, wer sie ist."
"Vielleicht können wir dir ja irgendwie helfen", schlug Goliath vor.
Elisa zeigte mit dem Daumen auf die Tür, durch die Owen Bernett vor kurzem verschwunden war.
"Deshalb habe ich das Zeug ja mitgebracht", antwortete sie. "Der Hammer war eine ganz normale Steinhauerwaffe - bis sie ihn der Hand gehabt hatte. Und auf dem Zettel stehen ein paar Begriffe, an die sie sich zwar erinnern konnte, mit denen sie aber im Moment nichts anzufangen weiß."
Sie seufzte.
"Die Fingerabdrücke haben uns jedenfalls nicht weitergeholfen..."
In diesem Moment ging auch schon die Türe auf und Bernett kam zurück. Alle Blicke richteten sich auf ihn.
"Nun", begann er in seiner steifen Art. "Der Hammer wurde von außen stark energetisch aufgeladen. Wahrscheinlich durch einen paranormalen Vorgang. Die Kratzer im Stiel sind eine alte, keltische Schrift, die Ogham-Schrift. Die Zeichen bedeuten 'Succellus', der Name eines keltischen Gottes. Übersetzt bedeutet das 'guter Schläger'."
"Wie passend", fand Xanatos ironisch.
Tarn war unbemerkt näher getreten und hörte aufmerksam zu.
Sollte das eine Botschaft sein..?
"Was die Begriffe anbelangt, die Sie mir aufgeschrieben hatten", fuhr Owen fort. "Ich fand eine Firma für kybernetische Technik namens Cybertron Inc. mit Sitz in Alabama. Ansonsten... Es gibt in der Mythologie einen Thronengel namens 'Metatron', unter 'Megatron' konnte ich jedoch keinen Eintrag finden. Genausowenig unter Decepticon..."
"Wo ist die Frau?" Tarns Stimme zitterte kaum merklich.
David Xanatos begann zu grinsen.
"Nanu, Tarn? So aufgeregt", stellte er mit einem gewissen Zynismus fest. "Mir scheint, die Erinnerung kommt wieder..."
Der grauhäutige Gargoyle ignorierte den Mann. Die Augen des geflügelten Wesen fixierten statt dessen Elisa Maza.
"Wo ist die Frau, Mensch?" seine Stimme hatte einen bedrohlichen Klang "Ich muß es wissen! Sofort!"
Im nächsten Moment sah sich Tarn mit einem ziemlich wütenden Goliath konfrontiert, der knurrend und zähnefletschend mit glühenden Augen zwischen ihm und der Polizistin stand. Der Clanführer war offensichtlich bereit, die Frau notfalls mit seinem Leben zu verteidigen.
Tarn machte einen Schritt rückwärts. Es erschien ihm taktisch klüger, nicht im Aggressionsradius des anderen Gargoyle zu bleiben.
"Entschuldige, Goliath, daß ich die Beherrschung verloren habe", meinte er mit beschwichtigendem Lächeln. "Ich habe nicht die Absicht, deiner Gefährtin etwas zu tun. Aber es ist unbedingt notwendig, daß ich erfahre, wo die Frau ist, von der sie sprach..."

Irgend etwas hämmerte in ihrem Kopf.
In ihrem halbschlafenden Zustand sah sie, Elisa und ein ziemlich grimmig dreinschauendes Fabelwesen vor sich stehen...
Es hämmerte noch immer in ihrem Kopf.
Sie war mit einem Mal schlagartig wach, was nicht zuletzt daran lag, daß Elisas Katze Cagney in panikartiger Flucht über Tisch und Couch ihr direkt ins Gesicht sprang, um Millisekunden später im Bad zu verschwinden. Sie war in Elisas Wohnung.
Und plötzlich konnte sie sich an alles erinnern - wer sie war, woher sie kam, den Unfall... Doch sie hatte keine Zeit sich darüber zu freuen. Das hämmernde Geräusch kam von den Rotorblätter eines Hubschraubers, der bedrohlich tief über der Terrasse der Dachwohnung schwebte. Und das, was sich da gerade aus dem Inneren des Fluggerätes abseilte, trug Kapuzen...

Tarn erstarrte.
"Vector Sigma..." flüsterte er.
Sie war wach! Er wußte jetzt wo sie war. Sie war in Gefahr!
"Was ist denn jetzt in ihn gefahren?" machte Brooklyn etwas durcheinander.
Lexington zuckte mit den Achseln.
Tarn rannte alles andere ignorierend aus der Bibliothek. Elisa und die Gargoyles schauten sich kurz an, dann machten sie sich an die Verfolgung.
"Was ist das eigentlich für ein komischer Vogel?" fragte die Polizistin im Rennen.
"Ich wünschte, ich wüßte es", antwortete Goliath. "Ich wünschte, ich wüßte es."

"Mr. Xanatos", stellte Bernett mit Blick auf das Computerterminal fest. "Jemand hat gerade den Sicherheitscode der Waffenkammer umgangen, die Verteidigungsmaßnahmen außer Kraft gesetzt und sich Zugang verschafft. Das alles in weniger als dreißig Sekunden... Ich nehme an, es war unser Freund Tarn."
"Himmel!" entfuhr es seinem Boß. "Das System ist sicherer als das von Fort Knox, daran haben sich die besten Hacker die Zähne ausgebissen!"

"Okay, Tarn, bleib wo du bist, und keine Bewegung!" brüllte Elisa. "Ich darf dich daran erinnern, du bist nicht kugelsicher!"
Sie stand breitbeinig auf der Ausichtsplattform des Bergfrieds und zielte mit ihrer Dienstwaffe auf den grauhäutigen Gargoyle, der sich bereits anschickte loszufliegen. Er trug eine verdammt große Schußwaffe, die die Polizistin in die Kategorie "panzerbrechend" einordnete, und einen Gürtel mit dazu passender Munition mit sich.
Tarn knurrte, seine Augen glühten in rotem Feuer.
"Elisa, es mag Sie interessieren, daß gerade ein paar Steinhauer in Ihre Wohnung eindringen", erklärte er langsam.
"Woher willst du das denn wissen?" mischte sich Hudson ein.
"Weil ich diese nutzlosen Fleischkreaturen durch die Augen meiner Gefährtin sehen kann", antwortete der Angesprochene. "Und ihr werdet nicht verhindern können, daß ich meine Frau jetzt im Kampf unterstützen werde!"
Damit sprang er - Elisas Pistole ignorierend - über die Zinnen. Man hörte noch ein kurzes Flügelschlagen, dann war er nur noch ein großer, fledermausartiger Schatten in der Skyline von Manhattan.
"Seine Frau?" Hudson stutzte.
"Der Ring!" rief Elisa, sich an die Stirn schlagend. "Der Ring, den er trägt, hat das selbe Muster wie Janes..!"
"Wir müssen ihm nach", rief Goliath. "Er könnte Hilfe brauchen!"
Er nahm Elisa auf den Arm, breitete die Schwingen aus und sprang ebenfalls.

Das war der reinste Ivasionstrupp. Sie war allein. Diese Erde war nicht ihre Erde - mit ihren Kräften mußte sie also haushalten. Ein strategischer Rückzug wäre also taktisch sinnvoll.
Sie lief zur Wohnungstür. Doch noch bevor sie die erreichte machte sie eine Vollbremsung. Von draußen hörte sie nämlich ein bekanntes Geräusch. Das klang so ähnlich wie ein Pumpgun...
Die Eingangstür zerbarst splitternd unter dem Energiestoß des Hammers. Sie sprang, um nicht von den umherfliegenden Splittern getroffen zu werden, hinter der Ecke in Deckung. Mit einem Gefühl von aufsteigender Übelkeit nahm sie zur Kenntnis, daß das Terrassenfenster ebenfalls gerade das Zeitliche segnete. Sie saß in der Falle!
Wenn du in einer hoffnungslosen Position bist, mußt du kämpfen...
Sie blieb hinter der Couch in Deckung. Als der erste der Kapuzentypen in ihre Reichweite kam, brachte sie ihn mit einem Beinfeger zu Fall. Ehe er darauf reagieren konnte, hatte sie dem am Boden Liegenden auch schon mit der Faust ins Knick geschlagen und ihn somit ausgeknockt.
Nummer zwei kam mit schlagbereitem Hammer frontal auf sie zu. Sie wich der Waffe aus, indem sie seinen ihr zugewandten Arm mit dem rechten Unterarm blockte. Gleichzeitig fuhr sie mit der linken Hand schlangengleich unter seiner Achsel hindurch, um ihm die Fingerspitzen in die Kehle zu rammen. Der Angreifer gab noch ein unverständliches Röcheln von sich, bevor er zusammenklappte.
Mit zwei Sätzen war sie in der Küche verschwunden.
"Wo ist das Biest?"
"Da lang!"
"Schnappt sie euch."
Der erste Steinhauer, der in der Küche ankam, torkelte gleich wieder wie am Spieß brüllend zurück. Blut sprudelte aus seinem Handgelenk. Das Sägeblatt der Küchenmaschine steckte ihm in der Handwurzel. Es war zwar kein Wurfstern, aber wie sie gerade mit Zufriedenheit feststellen konnte, flog das Ding genau so gut.
"Mach' die Hexe kalt!" befahl einer.
"Hier.. Hier ist aber niemand..!" antwortete der Steinhauer, der als zweiter die Küche betreten hatte.
"Das kann nicht sein, sie ist nicht wieder rausgekommen."
"Nein, hier ist nur die Katze. Oh, mein Gott...!"
Zu seinem Schrecken verwandelte sich die vermeintliche Katze plötzlich in eine ausgewachsene, weiße Tigerin. Mit markerschütternden Brüllen sprang die Raubkatze den Mann an und schlug ihm die messerscharfen Klauen durch die Rüstung. Wucht und Schmerz rissen den Steinhauer von den Füßen. Mit zwei, drei Sätzen war der Tiger im Bad verschwunden.
"Was ist das für ein Wesen?"
"Ich... ich habe keine Ahnung. Aber die Polizistin ist das bestimmt nicht..."
Es krachte höllisch als der Hammer die Tür des Badezimmers zertrümmerte, doch das war völlig leer. In der Badewanne glitzerten noch ein paar Glasscherben.
"Es ist durch das Oberlicht geflohen!"

Sie rannte, Cagney unter dem Arm, das Dach entlang. Das arme Tier war völlig verstört - obwohl es in seinem Leben doch schon einiges seltsame miterlebt hatte...
Plötzlich wurde es um sie herum gleißend hell. Der rhythmisch wiederkehrende Überschallknall von Rotorblättern marterte ihre Trommelfelle.
Es gab einige Hubschrauber, die sie jetzt durchaus gerne gesehen hätte. Dieser, mit dem Steinhauersymbol auf der Seite, gehörte jedoch nicht dazu.
"Stehen bleiben, keine Bewegung!" brüllte der Pilot durch den Außenlautsprecher.
Zehn zu eins, der Chopper hatte eine dreißig Millimeterkanone unter dem Rumpf. Oh, wie gerne würde sie die Wette jetzt verlieren...
Langsam drehte sie sich um. Der Suchscheinwerfer blendete ihre lichtempfindlichen Augen fürchterlich.
"Jetzt hab' ich dich", stellte der Pilot zufrieden fest. Doch als er ihr breites Koboldgrinsen sah, ahnte er nichts Gutes...

Die Granate schlug kurz vor dem Heckrotor ein. Die nachfolgende Explosion zerriß das zur Stabilisation wichtige Teil völlig. Der Hubschrauber begann, sich wie wild um sich selbst zu drehen, der Rotor verlor somit seine Auftriebswirkung. Doch bevor das Flugzeug wirklich abstürzen konnte, gab es eine zweite Explosion, die die Maschine noch in der Luft zerriß.
Der große, grauhäutige Gargoyle auf dem Haus gegenüber ließ zufrieden den Granatwerfer sinken. Er schwang sich mit einem gekonnten Satz über die Brüstung, ließ sich ein paar Meter im freien Fall absacken bevor er die Flügel öffnete, um auf das Häuserdach auf der Anderen Straßenseite hinauf zu gleiten.
Sehr gut! Goliath und sein Clan waren auch schon da und kümmerten sich um die in Elisas Appartement verbliebenen Steinhauer.

"Jane, wo sind Sie?" rief Elisa, während sie daß, was von ihrer Wohnung noch übrig war durchsuchte.
Cagney hüpfte ihr durch ein kaputtes Oberlicht entgegen. Mit einem kläglichen Ich-war's-diesmal-wirklich-nicht-Maunzen streifte die Katze um die Beine ihres Frauchens. Elisa nahm ihr Haustier tröstend auf den Arm.
"Cagney, wo ist Jane?" fragte sie besorgt.
"Wir sind auf dem Dach!" kam es da von oben.
"Sie lebt, dem Himmel sei dank", flüsterte die Polizistin.
"Was man von dem hier nicht sagen kann", meinte Hudson. "Das Mädel hat denen einen ganz schönen Kampf geliefert."
Der Steinhauer zu seinen Füßen war an einem eingedrückten Kehlkopfes erstickt. Der Rest der 'ehrenwerten' Gesellschaft - ausgenommen natürlich der Pilot - lebte noch. Allerdings waren die Herren alles andere als als taufrisch zu bezeichnen.
 
 

Kapitel 4

Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, eilte Elisa die Treppe der Burg hinauf.
War das vielleicht ein Tag gewesen! Schwierige Sache, ihren Kollegen die Vorkommnisse der vergangenen Nacht glaubhaft zu erklären. Außerdem hatte sie kaum Schlaf gehabt. Aber das war sie ja schon gewohnt. Wenigstens sah ihre Wohnung - dank Janes... Magics Hilfe - wieder aus wie ihre Wohnung und nicht mehr wie ein Schlachtfeld.
"Guten Abend, Elisa", begrüßte Fuchs die Polizistin, als die den großen Saal betrat, freundlich.
Ihr Mann David saß sherrytrinkend in einem Sessel beim Kamin.
Elisa rieb sich die müden Augen. Also, daß sie statt mit einer brünetten Frau jetzt mit einer weißhaarigen Elfe konfrontiert wurde, konnte sie nach diversen Besuchen in Avalon und an ähnlichen Plätzen allmählich nicht mehr schocken. Aber die sieben Fuß lebender Roboter, die da am Fenster standen und gestern nacht noch ein Gargoyle gewesen war, waren doch etwas gewöhnungsbedürftig. Und wenn sie noch daran dachte, daß Tarn/Megatron normalerweise mehr als dreimal so groß sein soll... Elisa schluckte.
"Wie war ihr Tag, Elisa?" fragte Xanatos beiläufig.
"Chaotisch wie immer", antwortete die Polizistin. "Es gibt jedoch ein Problem..."
"Und das wäre."
"Die Steinhauer, die wir festgenommen hatten..." Sie schaute mit kritischer Miene in Magics Richtung. "Nach Sonnenaufgang waren sie plötzlich... stoned!"
Die Elfe schaute mit unschuldigem Dackelblick zur Decke.
"Das gibt sich jedesmal nach Sonnenuntergang wieder", erklärte sie achselzuckend. "Nennen wir es ausgleichende Gerechtigkeit."
Die wie üblich unauffällig dem Geschehen beiwohnende Gestalt Owen Bernetts erzitterte unter einem unterdrückten Kickern. Xanatos' Assistent hatte größte Mühe, seine übliche Steifheit beizubehalten und seine elfische Natur nicht durchbrechen zu lassen.
"Ich denke, wir sollten jetzt nach oben", warf in diesem Moment Fuchs ein. "Der Clan dürfte jeden Moment erwachen."

Von der Sonne war nur noch ein dünner, roter Streifen am westlichen Horizont zu sehen. Hier oben auf den Zinnen, wehte trotz Hochsommers, ein kühler Wind.
"Wenn ich das richtig verstanden habe, seid ihr in einer Art telepathischer Verbindung miteinander", rekapitulierte Elisa.
Megatron nickte.
"Es nutzte uns nur diesmal nicht viel. Ich war den Tag über versteinert, und Magic schlief bereits als ich schließlich erwachte", antwortete er. "Ich fühlte meine Frau zwar, aber ..." Er redete nicht weiter.
"Deshalb also die Geheimniskrämerei", verstand Elisa.
"Ich müßte den Steinhauern eigentlich dankbar sein", überlegte Magic. "Nachdem die mich geweckt hatten, war die Verbindung und somit meine Erinnerung wieder da. Aber..." Sie grinste. "...Ich habe echt keine Lust, mich bei denen auch noch zu bedanken!"
"Verständlich", bestätigte Elisa. "Noch eine Frage, was bedeutet das 'Muris'?"
"'Beltaine, Muris' ist der erste Mai des Jahres, seit dem Megatron und ich zusammen sind", antwortete Magic.
"Also kein Name", erkannte ihre Gesprächspartnerin.
"Nein." Die Elfe schüttelte den Kopf. "Die Namen stehen außen drauf."
Natürlich, das war kein Muster auf dem Ring, das war Ogham-Schrift!
"Wie am 'guten Schläger'..." flüsterte Elisa.
"Wie bitte?" machte Magic verblüfft. Dann erinnerte sie sich. "Ach ja, die 'lieben Grüße' vom Unterbewußtsein..."
Mit einem Mal lief eine leichte Erschütterung durch das Gemäuer. Die steinernen Figuren auf den Brüstung bekamen Risse. Schließlich - mit einem Geräusch wie explodierender Beton - zerbarsten die Hüllen, und die erwachten Gargoyles streckten sich brüllend.
Bronx, diese Höllenversion einer Bulldogge, betrachtete die fremden Gesichter mißtrauisch, schnupperte erst an Magic, dann an Megatron, schaute mit einem Mal ziemlich verwirrt, entschloß sich schließlich, sich in eine Ecke zu setzten und mit dem linken Hinterlauf am Ohr zu kratzen.
Magic überlegte, ob es wohl Flöhe gibt, die sich auf Hundegargoyles spezialisiert haben könnten...
Als Megatron sah, wie Goliath und Elisa sich begrüßten, ergriff er unweigerlich die Hand seiner eigenen Frau. Er erinnerte sich an die Nacht im Canyon, als er sie zum ersten Mal in den Armen halten durften. Die Liebe ging wohl in allen Welten oft seltsame Wege.
"Ich möchte ja nicht schon wieder mit schlechten Nachrichten kommen", meldete sich da Bernett zu Wort. "Aber es gibt da ein Problem was den Aufenthalt von Magic und Megatron in unserer Welt betrifft."
"Und der wäre, Owen", fragte Fuchs.
"Es gibt keine technische Möglichkeit, den Slidingprozeß umzukehren, um sie in ihre eigentliche Dimension zurückzuschicken", antwortete er. Allerdings mußte er die letzten paar Worte brüllen, da aus heiterem Himmel ein Sturm losbrach. Seltsamerweise war der Ursprung der Wettererscheinung genau die Mitte des Bergfrieds...
Mit einem Schlag war der Spuk vorbei. Statt dessen standen jetzt zwei große, schlanke Gestalten - ein Mann und eine Frau - auf dem Turm. Es war unverkennbar: sie waren Elfen.
"Oberon und Titania", flüsterte Xanatos heißer.
"Mutter..." stotterte Fuchs.
Owen Bernett schluckte. Er merkte, wie er wieder zu Puck wurde.
Magic und Megatron sahen sich fragend an.
"Kneif mich, ich glaub', ich sommernachtsträume", meinte sie kopfschüttelnd und fügte wohl oder übel gleich ein "Autsch!" hinzu.
- Dafür schuldest du mit einen Kuß!
- Sogar die Zinsen werden mir ein Vergnügen sein.
"Ich glaube, wir können Euch helfen", begann Oberon und trat auf das Paar aus der fremden Dimension zu. Einige Meter vor den beiden blieb er jedoch stehen und verbeugte sich nach Ritterart indem er auf ein Knie niedersank.
"Ich freue mich, Euch wiedersehen zu dürfen, verehrte Großmutter, verehrter Großvater", sagte er ehrfurchtsvoll.
- Jetzt mußt du mich kneifen.
- Gern, wenn du mir eine Zange gibst...
Wenn man in die ursprüngliche Runde der Anwesenden blickte, sah man eigentlich nur erstaunte Gesichter mit offenen Mündern. Der einzige, den die Aussage nicht im geringsten erschüttern konnte, war Bronx. Er verstand nämlich nicht, um was es hier eigentlich ging.
"Moment, langsam", meinte Magic. "Ich nehme an, daß ist 'ne Verwechslung."
Oberon schüttelte den Kopf.
"Keineswegs", widersprach er.
"Wir haben zwar Kinder, aber die sind noch sehr klein", erklärte Megatrons Gefährtin. "Also, das mit Enkeln dürfte noch eine Zeit dauern..."
Der König der Elfen erhob sich.
"In einigen Jahren jedoch wird Euer Sohn Dionysos einen Sohn haben", begann er. "Dieser wird seltsame Geschichten über eine Raum-Zeit-Anomalie im Ring der Planetoiden hören und sich mit einem Schiff aufmachen, das Pendragon-Paradoxon zu erforschen. Das Schiff und seine Besatzung wird jedoch nie wieder von seiner Mission zurückkehren."
"Wir fanden eine Erde, die der glich, die wir verlassen hatten", fügte Titania hinzu. "Nur einige Tausend Jahre jünger..."
 


Epilog

Hook, der Mechanoid Iota-32, den alle Johnny Five nannten, und ein circa fünf Meter langes u-bootartiges Metallgebilde mit Kreifarmen, der neben den beiden schwebte, werkelten jetzt schon seit drei Stunden an der Space-Bridge. Obwohl Perceptor ihnen ständig die neuesten Daten über das PP aus der Arche schickte, war es ihnen noch nicht gelungen, festzustellen, was aus den Passagieren des letzten Transports geworden war.
"Geht das nicht ein bißchen schneller?" Black Jester trippelte nervös von einem Bein auf das andere.
Der u-bootartige Gebilde drehte sich in seine Richtung. Durch die Scheibe am Vorderende schaute ihn ein großer Tümmler leicht pikiert an.
"Ich denke und arbeite ja schon achtmal schneller als du", schnatterte es aus dem Übersetzer. "Also bitte beschwere dich nicht."
"Und bedauerlicherweise quasselt sie oft auch noch achtmal schneller", fügte Johnny Five mit krächzender Maschinenstimme hinzu.
"Entschuldige, Stream", beschwichtigte Jester die Delphindame. "Ich weiß, ihr tut euer bestes. Aber Shockwave hat bestätigt, daß meine Lieblingschefin und ihr Göttergatte die letzten in der Space-Bridge waren."
"Sie spricht an! Der Transporterstrahl hat was erfaßt!" rief Hook mit einem Mal aufgeregt. Tatsächlich, das Transfergerät fuhr die Autosysteme hoch. Ein Raumtor ging auf und kurze Zeit später öffnete sich die Schleuse.
"Ich nehme an, ihr seid das Empfangskomitee", meinte Megatron trocken.
Black Jester seufzte erleichtert.
"Na, bitte, ist doch alles in bester Ordnung", stellte Warm-Stream-along-the-sunset-colored-Coral-Reef unbeeindruckt fest. "Wenn ihr mich sucht, ich bin vor der Küste. Hoffentlich sind die guten Wellen noch nicht ganz weg."
Damit düste die Delphindame in ihrem Antigraphtransporter von dannen. Auch, wenn sie die beste Astrophysikerin des Planeten und eine begnadete Technikerin war, ihre Leidenschaft war und blieb nun Mal das Wellenreiten.
Hook zuckte mit den Achseln. Tümmler, die im Durchschnitt intelligentesten Wesen auf dieser Erde - mag sie verstehen wer will...
"Jester, alter Falschspieler, warum so aufgeregt?" wollte Magic, zur Abwechslung mal wieder in Transformerform, wissen.
"Bewundernswerteste aller Ladies", begann der schwarze Transformer mit leichter Verbeugung. "Ich befürchtete schon, ich dürfte nie wieder unter deinem Kommando dienen... Aber jetzt im Ernst, ich bin verdammt froh euch beide in einem Stück hier wiederzusehen."
"Gibt es irgend einen Grund, warum dies nicht hätte der Fall sein sollen?" fragte Megatron.
"Allerdings", bestätigte Black Jester. "Euer Transporterstrahl machte sozusagen im Pendragon-Paradoxon einen ungewollten Zwischenstopp. Hook, Johnny und Stream mußten um einen hohen Einsatz pokern und hatten echt nur Luschen auf der Hand. Habt ihr denn gar nichts davon gemerkt?"
"Nun", begann Megatron und reichte der Dame neben sich galant dem Arm. "Der Transport war diesmal in der Tat ein wenig... steinig. Kommst du, Oma?"
Magic hakte sich unter. Mit einem Lächeln antwortete sie:
"Natürlich, Opa!"
Und gefolgt von den völlig verdadderten Blicken dreier Cybertronians, die nicht genau wußten, ob ihnen nicht vielleicht gerade einige Schaltungen in den akustischen Systemen zusammengebrochen waren, spazierten sie gemütlich in den Sonnenuntergang.
 

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